Thema: Archetypen?

Forum: Schattenarbeit

Autor: Serafia_Serafin


Serafia_Serafin - 24/9/2010 um 21:13

Ich suche Informationen/Literatur zum Thema Archetypen außerhalb von Jung.

Mir geht es vor allem darum, welche es gibt, und wie sie sich äußern.

Kann mir jemand weiterhelfen?

Idan - 25/9/2010 um 07:10


Zitat von Serafia_Serafin, am 24/9/2010 um 21:13

Mir geht es vor allem darum, welche es gibt, und wie sie sich äußern.


Ich denke nicht, dass dir das viel bringen wird. Archetypen sind nicht einheitlich, sie können individuell sehr verschieden sein.

Beispiel:

Unser mitteleuropäischer Archetyp "Pferd" ist ein Symbol für Stärke, Schnelligkeit, Wildheit, männliche Sexualität/Potenz. Besonders der schwarze Hengst stellt eine Reinform dieses Archetyps dar.

Individuell kann aber die Bedeutung dieses Archetyps für einen selbst sehr stark abweichen. Für einen Mann, der spielsüchtig ist und auf Pferderennen wettet hat ein Pferd eine vollkommen andere Bedeutung und steht für seine Spielsucht, für Gewinnen und Verlieren, für Geld, für die Launenhaftigkeit des Schicksals.
Für einen Reitstallbesitzer wiederum ist das Pferd gewissermaßen die "Ware", die er anbietet, um sein Geld zu verdienen. Es symbolisiert sein Arbeitswerkzeug.
Für die frustrierte Hausfrau, die von einem wilden Ritt auf einem Mustang träumt, hat das Pferd eine hoch sexuelle Konnotation.
usw.

Jedes Unterbewusstsein entwickelt eine eigene Sprache. Die Art und Weise, wie Archetypen als Denkkategorien unser Denken beeinflussen und als Bildsymbole unserem Unterbewusstsein als Sprachrohr dienen können, kann individuell sehr verschieden sein. Deshalb bringen auch Traumdeutungsbücher nur sehr bedingt eine Hilfestellung bei der Traumdeutung.

Zur Schattenarbeit gehört es dazu, dass du in dir selbst nachforschst, welche Archetypen es in dir drin gibt und wie sie dich beeinflussen. Das können dir Bücher nicht sagen, das kann dir nur dein eigenes Unterbewusstsein sagen. Vielleicht gibt es in dir Archetypen, die es sonst in keinen anderen Menschen gibt? Oder vielleicht hast du sehr weit bekannte Archetypen anders konnotiert, so dass sie für dich eine andere Bedeutung haben?

Es ist zwar grundsätzlich so, dass wir von der Umgebung, in der wir leben, beeinflusst sind und die Kultur uns prägt. Allerdings leben wir in einer multipluralen Gesellschaft, in der wir nicht nur eine Kultur vermittelt bekommen. Vor allem durch Bücher, Fernsehen und Kino bekommen wir sehr viel Input aus vielen unterschiedlichen Kulturkreisen und sie alle haben Einfluss auf die Bildung der Archetypen und die Auswirkungen der Archtypen in uns. Jemand, der stark von mittelalterlichen Rittergeschichten geprägt ist, hat einen anderen Archetyp "Drache" als jemand, der von japanischen Animes geprägt ist.


[Editiert am 25/9/2010 um 07:24 von Idan]

Vau - 25/9/2010 um 18:51

Der Unterschied zwischen Archetypen und Traumsymbolen/Traumgestalten:
Archetypen sind Kulturübergreifend.Sie mögen in Kulturgeprägtem Gewand auftreten,aber ihre nackte Essenz ist transkulturell von gleichem Wesen.

Demzufolge gibt es keine mitteleuropäischen, sondern nur gesamtmenschliche Archetypen.
Pferde gibt es nicht überall(oder :Gab es lange Zeit nicht überall),
also ist "Pferd" kein Archetyp.

Aber:Ganz so glatt ist die Sache nicht,denn das, was durch "Pferd"archetypisch ausgedrückt werden kann,ist in anderen Kulturen womöglich anders konkretisiert.

Beispiel:Der Fuchs im Englischsprachigen Raum ist der "Trickster-Charakter",der sich meiner Kenntniss nach überall wiederfinden lässt, in anderen Kulturen nur nicht durch den Fuchs repräsentiert ist.

Das "sterben-und-wiedergeborenwerden"ist vielleicht noch so ein Archetyp,den es überall, im Rahmen von Initiation (Ich werde Schamane,Zauberer,Erwachsener,Freimaurer,Babtist...-lasse das gewohnte hinter mir, "sterbe Es",oft sehr anschaulich),-gibt,
oder im Rahmen von Religion, verteilt über mehrere angenommene Leben.

Die Bipolarität des Seins, sowie deren Überwindung/Umfassung wäre eine archetypische Vorstellung,etwa symbolisiert im Davidsstern,Kreuz,"Jin-Yang"im Daoismus,etc.

Ein Archetyp kann sich durch ein konkretes Symbol -etwa das Pferd-im Bewusstsein des einen Menschen manifestieren,im bewusstsein eines Anderen jedoch in völlig anderer Gestalt.

Die zugrundeliegende "Sache","Stärke,wildheit, männliche Potenz", um auf Idans Beispiel Bezug zu nehmen ,ist der Archetyp.


[Editiert am 25/9/2010 um 18:54 von Vau]

Alles und Nichts - 27/9/2010 um 16:46

hallo Serafia_Serafin,

meines wissens nach gibt es relativ wenig literatur zu den archetypen.

ich stimme der perspektive von vau zu. archetypen sind transpersonale und kulturübergreifende erscheinungen und in ihrer essenz werden sie von wissenden einheitlich wahrgenommen. das symbol des pferdes, wie idan es dargestellt hat, könnten aus meiner perspektive eher die essenz des krieges oder liebhabers deuten.

es gibt nicht-menschliche und menschliche archetypen. mit nicht-menschlich mein ich nun keine grünen männchen sondern archetypen, die der menschlichen erfahrung zugänglich sind, z.b. gaia.

die tarot-karten könnten dir ev. einen zugang zu den archetypen erschließen, teilweise sehr direkt wie der herrscher (karte - der herrscher) oder eher indirekt wie der krieger (karte - kraft).

Serafia_Serafin - 27/9/2010 um 20:51

Bitte verzeiht, wenn ich mich allzu kurz fasse; ich kann heute abend nicht schreiben...

1. Danke für die Anregungen und Einblicke. Auf diese Weise habe ich es bisher nicht betrachtet.

2. Gibt es Techniken oder Vorgänge, die auf der Suche hilfreich sein könnten?

Idan - 28/9/2010 um 17:24


Zitat von Vau, am 25/9/2010 um 18:51

Archetypen sind Kulturübergreifend.Sie mögen in Kulturgeprägtem Gewand auftreten,aber ihre nackte Essenz ist transkulturell von gleichem Wesen.

Natürlich steht es einem jedem Menschen frei, dies zu GLAUBEN. Ich persönlich warne vor dieser Perspektive. Wenn man einmal anfängt, Kulturübergreifend Symbole "in einen Topf" zu stecken, verliert man den Blick für die Feinheiten, die Unterschiede und die Eigenarten der jeweiligen Kultur.

Es ist zwar ein hexides Paradigma, in allen Göttinnen eine Göttin und in allen Göttern einen Gott zu sehen. Aber so magisch zu arbeiten verschleiert den Blick für die feinen Unterschiede zwischen Moiren und Graien, zwischen Venus und Aphrodite, zwischen Zeus und Wotan, etc.

So entstehen sehr schnell kulturelle Missverständnisse und Fehlinterpretationen, weil man sehr schnell das bekannte wiederzuerkennen meint und sich auf die eigentliche Sachen nicht einlassen kann.

Wie gesagt, es steht jedem frei, dennoch so zu arbeiten. Es war mir aber wichtig, meine Bedenken zu äußern.

Vau - 28/9/2010 um 17:55

Ich glaube , zu verstehen, was du meinst.
Möglicherweise liegen die Arcetypen eine Schicht tiefer als "Götter",etc..
Ich halte Sie für grundlegende Bilder/Modelle/Mechanismen, denen die Bildung von z.B.Göttern oder konkreten Mythen entspringen-Diese sind dann Kulturabhängig.

Z.B."Schöpfung"/Weltwerdung als Arcetyp entspringen die verschiedenen, Kulturabhängigen Vorstellungen einer konkreten Genesis.
Sich auf diese "eigentlichen Sachen" einzulassen wird durch den Glauben an kulturübergreifende Archetypen also nicht zwingend eingeschränkt.

Es ist schwierig, die Archetypen zu identifizieren,wenn es jedoch gelingt, ist ein Verständniss der ihnen entspringenden ,kulturabhängigen Manifestationen sogar leichter und tiefer möglich, wenn erkannt werden kann, das es sich nur um Ausprägungen der gleichen Grundidee handelt-etwaige Widersprüche verlieren an Bedeutung;ohne "Gleichmacherei",die Unterschiede können so neutraler wahrgenommen werden,wertfreier,somit emotional ungefärbter und deutlicher.
So meine Hoffnung

Alles und Nichts - 29/9/2010 um 13:46

das was die einzelnen kulturen götter nennen sind nur kulturelle gewänder der archetypen.

wenn ich mich auf zeus oder odin fokussiere und eine vorstellung der jeweiligen kultur habe werde ich bei beiden götter durchaus unterschiede wahrnehmen und möglicherweise werden sie sogar als individuen wahrgenohmen. wobei das erleben der individualität von göttern nur projektion ist.

wenn ich tiefer gehe, das kulturelle primborium bei den beiden genannten göttern entferne, spricht der archetyp des vaters oder herrschers durch mich. die person erlebt eine tranpersonale erfahrung einer essentziellen kraft des seins.

man kann also einen feinen unterschied zwischen göttern und archetypen konstruieren. es ist einfach eine frage der intention.


[Editiert am 29/9/2010 um 15:59 von Alles und Nichts]

BabyDrache - 5/1/2011 um 11:47

Liebe Serafia,
ich glaube, man kann Archetypen in allen Kosmologien wiederfinden.
Die Archetypen dürften uns viel näher sein, als der Verstand uns normalerweise glauben macht. Mir fallen hier z.B. ein:
- die geistigen Fähigkeiten die den Sinnen entprechen- sowohl die fünf körperlichen als auch alle anderen
- die Grundgefühle, wie Wut/Freude/Trauer/Furcht
Die ganze Symbolik, wie die 4 Elemente, Götter, Märchenfiguren, Sephiroth usw. enthält Referenz auf diese grundlegenden geistigen Fähigkeiten in uns.
Der klassische Archetyp "Krieger" könnte z.B. der Wut zugeordnet werden, die Grenzen setzt und Klarheit schafft.
In der Schöpfungsgeschichte der Upanishaden werden "die Götter" sowohl mit den Naturreichen als auch den menschlichen Funktionen (Sinne+Organe) zugeordnet. (wenn Du diese nicht kennst, kann ich hier die Liste posten)
Man müßte demnach auch in unserem physikalischen Weltbild etwas finden. Urknall, Galaxien, dunkle Materie, werde ich mal darüber nachdenken.

BD

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