Thema: Krieg: Romantisierte Stammesrealität - idealisierte demokratische Realität. Was nun?

Forum: Schattenarbeit

Autor: GeorgeTheMerlin


GeorgeTheMerlin - 18/4/2010 um 13:55

Wir haben ja gerade das Thema angerissen: das Gottesbild, geboren und oft unverändert übernommen aus überlieferten Stammesrealitäten.

Ein anderes Thema ist, daß wir Stämmesrealitäten oft idealisieren und romatisieren. Magie hat ja eher dort seinen REALEN Platz als in unserer Kultur. Einige - die Hopis - können uns noch eine Menge sagen, war wir nichtmal mehr verstehen können und wollen. Altertümliche Steinkreise, Pyramiden zeugen von einem feinstofflichen Wissen - unsere Kultur weiß nichtmal mehr, was feinstoffliche Energie überhaupt ist - und ist sich nichtmal bewußt, daß sie damit eine Minderheit darstellt.

Andererseits glaube ich kaum. daß die Frau, die gesteinigt wird, gegen ihren Willen verheiratet wird, die Witwe, die verbrannt wird, die Menschen, die für den erobernden Stamm eine BEUTE darstellen, für deren Götter gehängt werden, Menschen, die im Sinne der Stammesrealität verstümmelt werden - daß diese unsere Idealisierungen teilen könnten.

Wo ist das EIGENTLICHE Problem? Wir haben innerhalb von 1000 Jahre uns über Stämme zu Königtümern entwickelt - romantisiert in der König Arthus Sage, wo ein Feind von außen den Zusammenschluß der aller Stämme des Landes unter ein Hochkönigtum erforderlich machte.

DIES IST EIN HINEINWACHSEN DES MENSCHLICHEN GEISTES IN EIN GRÖSSERES KOLLEKTIV. Ein großer geistiger Entwicklungsschritt!

Heute haben wir diese Teilung von Stämmen und Hochkönigtum noch schwach abgebildet in den vielen Bundesländern, die zusammen einen Staat bilden.

Zivilisierte Stataten - Weltpolitik - waren die Entwicklung NACH den Königtümern, und diese Entwicklung ist noch relativ jung!

Nun haben wir aber ein Problem. Ein großer Teil der Welt lebt noch in der Stammesepoche - und soll nun in Nullkommanix Demokratie spielen - wofür wie selber 1000 Jahre gebraucht haben! Und zwar sehr blutige, unruhige, kriegerische und barbarische Jahre! Jahre voller blutiger Intoleranz um einen GEMEINSAMEN GLAUBEN zum Beispiel. Und den Heiligen Krieg, im Sinne von Kreuzzügen, haben WIR doch erfunden!

Und jetzt: wir GEBEN uns zwar weiterentwickelt - aber was HABEN wir denn den Stämmen der sogenannten 3. Welt zu bieten? Allgemeine Fehlernährung, zunehmende Zivilisationskrankheiten, globale Wirtschaftskriesen, hervorgerufen durch gierige Kurzsichtigkeit von Leuten, die wir für kompetent und vertrauesnwürdig hielten, marode soziale Systeme, Wertlosigkeiten, Oberflächlihkeit, Unter-Haltung des Geistes durch Medien, eine verkrüppelte Spiritualität, eine Verkrüppelung unserer feinstofflichen Wahrnehmung, kompensiert mit materieller Arroganz und Sinnleere, Jungend ohne Zukunft und Arbeit und Lebenssinn ...

Ein Freund von mir hat es mal sehr gut ausgedrückt: MUSTAFA hat eben keinen Bock, dass seine Tochter mit 13 gevögelt wird, mit 15 schwanger ist, mit 14 Nikotin und Alkoholabhängig ist und dann Hartz4 und Kundin beim Sozialarbeiter ist für den Rest des Lebens.

WAS FÜR WERTE HAT UNSERE KULTUR WIRKLICH ZU BIETEN - außer unsere Gier auf materiellen Konsum???

Etwa geistige Freiheit? Sind wir überhaupt in der Lage, mit unserer GEISTIGEN FREIHEIT umzugehen? Produktiv und kreativ? Sind wir überhaupt REIF dazu?

Das ist ein Probelm - wir sind IRGENDWIE weiter und wollen den geistigen VORREITER abgeben, der zeigen kann, wo es langgeht - aber haben eigentlich nichts mehr WIRKLICH und MENSCHLICH zu geben.

Und wollen so den Rest der Welt in kürzer Zeit auf unsere Stufe heben - ohne zu merken, welches BILD wir dabei für andere abgeben.

Ein BILD von westlichem Wohlstand und Reichtum und ARROGANZ geben wir zum Beispiel in DUBEI ab.

Ohne zu merken, wie sehr wir dabei DURCHSCHAUT werden können - von Menschen, die mit dem Lebens-Sinn der Erde, der Natur und des Kosmos verbunden sind.

grüssli merlYnn

Jacky0815 - 18/4/2010 um 15:07

"Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist
der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur
gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo
Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet." -
Friedrich Schiller

"Keine andere Kultur sägt so intensiv an dem Ast,
auf dem sie sich befindet und kein Land hat sich so
gründlich von seiner Identität verabschiedet wie
Deutschland. Zwar haben wir die reichste
Erbengeneration aller Zeiten, jenseits der materiellen
Werte sind wir aber bettelarm." - Peter Hahne

MfG Jacky

Eliphas Leary - 18/4/2010 um 15:35

Ein paar ergänzende Zeilen zu diesem sehr inSPIRIerenden Text:

Die Vorreiter-Rolle, von der Du schreibst, erkaufen wir durch eine stark eingeschränkte geistige Freiheit. Denn wir sind meistens stockblind für die Stammesatavismen, welche noch immer in unserer Gesellschaft zu finden sind, auch wenn uns diese manchmal befremdlich oder sogar abstossend erscheinen.

Als Beispiel für einen solchen Stammesatavismus erstmal ein Blick in Stammeskulturen:
Bei großen Ritualen und Festen werden immer neue, sehr eingängige und kurze Texte erfunden, die Melodien aber auf die sie gesungen werden sind uralt. Die Ritualgruppe wächst dadurch in einer Weise zusammen, die sie zu einem großen organischen Ganzen macht, Tanzbewegungen und rythmisches Klatschen werden von der ganzen Gruppe wie "von einem Mann" ausgeführt. Unterstützt wird das sicherlich durch die Art, wie sich die Gruppenmitglieder ausschmücken mit Farben und Kleidung.

Nun der Blick auf einen der Überreste dieses rituellen Verhaltens bei uns:
Fussballfans entwickeln immer neue Texte, die auf uralte überlieferte Melodien gesungen werden. Sie klatschen in gigantischen Gruppen "wie ein Mann" (auf das 16tel präzise) und führen in der Gruppe synchrone Bewegungen wie die Laolawelle aus. Und sie bemalen sich die Gesichter und tragen Ritualkleidung in ihren Stammesfarben.

Auch was den "Kulturexport" angeht geben wir uns gerne Illusionen von Sieg und Triumpf hin, denn ein Mensch kann sein ganzes Leben lang westliche Produkte konsumieren (egal ob PKW, Hamburger oder Handies und Computer) und trotzdem erstens seiner eigenen Kultur treu bleiben und zweitens nichts über die westliche Kultur lernen.

Und nicht zu vergessen gibt es auch in unserer Kultur starke Widerstände gegen die Konsequenzen des Fortschritts. Damit meine ich weniger (aber auch) religiöse Erscheinungen wie den Kreationismus und Puritanismus, sondern eher allgemein vertretene Einstellungen. So Leben wir jetzt im zweiten Jahrhundert der Industrialisierung, bauen also Maschienen, um Menschen die Arbeit abzunehmen. Aber trotzdem hegen wir noch immer den Traum, daß es Arbeit für jeden geben muss. Wir verbessern medikamentös die Lebenserwartung und senken die Säuglingssterblichkeit, und trotzdem regt sich Widerstand wenn's um Geburtenkontrolle geht.

Auch HALTEN wir uns für FREI, aber wer seine Freiheit lebt und einfordert wird abgestraft und hat extrem hart zu kämpfen.

Du hast es wundervoll ausgedrückt, George: wir haben uns daran gewöhnt einen äußeren Feind zu brauchen, um zusammenzuhalten. Daß der einzige "Feind", der es wert ist angegangen zu werden, einzig in einem selbst gefunden werden kann, hat sich noch nicht herumgesprochen.

Aber was kann man da produktives machen? Wie kann ein einzelner oder eine kleine Gruppe dabei helfen, die Tristesse zu verbessern? LEBEN! Ein altes Sprichwort sagt, daß jeder Mensch als Vorbild wirken kann, ob es ein gutes oder ein schlechtes ist liegt im Auge des Betrachters. Vor dreißig Jahren fingen ein paar Hardcorepunks an, einen Lebensstil zu prägen, den sie als "vegan" bezeichneten. Heute ist Veganismus weit ausserhalb der Punkkultur zu finden (und kaum ein Veganer weiß noch über die Ursprünge in der Punkkultur bescheid). Auch die Umweltpolitischen Ziele, mit denen die Grünen Ende der 70er starteten sind heute allgemein verbreitet und akzeptiert.
Wenn man irgendwo hin will fängt man mit einem Schritt an, also schaut man beim Verbessern der Welt am besten erst mal, wo man den ersten Schritt hinsetzt. Das Ziel sollte man natürlich nicht aus den Augen verlieren, aber erreichen tut man es Schritt für Schritt. Kleine Dinge wie dieses Forum hier bewegen da mehr, als den meisten von uns klar ist.

Viel Spaß & Freude!

EL

Serafia_Serafin - 18/4/2010 um 16:00

Weltschmerz

Allein,
in einem Kreis aus friedlichen Feinden
teilen wir unsere Waffen & verschlingen sie
die Welt uns zu Füßen und keine Einsicht
ein unendlicher Kuhhandel unser Leben

Wie sehr bedauernswert an diesem Leben zu leiden
der unendlichen Einfachheit, verdeckt durch sinnfordernden Verstand
kein Ausweg, kein Ziel bleibt nur Betäubung
Leben durch Leben, jedes Mittel scheint recht.

Klagen über Zustände, alles könnte besser sein als das hier
alles andere, vielleicht sogar Einfachheit
im blinden Eifer gieriger Sehnsucht nach erfüllter Stille
dem Glauben ergeben, dass wir mit der Zeit erblindet
oder nicht gewillt zu sehen;
Eines ist sicher: Das Paradies sind die anderen
die nicht gelernt haben zu sein wie wir
Es mag ein Ausweg sein
Aber keine Lösung.

@ Eliphas: Wir waren ziemlich zeitgleich... sonst hätte ich deinen Beitrag noch eher gelesen. Danke für diesen Beitrag - das war nötig.
Seit dem Film Avatar reagiere ich zu allergisch auf das Verdammen unserer westlichen Lebensart mit dem Hinweis auf Heilsversprechen in der "unzivilisierten" Welt.
Ich denke auch, dass es an der Zeit ist, dass sich einiges verändern sollte... und ich bin durchaus nicht zufrieden mit "uns" als einer "Gesamtheit". ... aber es liegt in der Hand jedes Beteiligten, etwas zu verändern... und wer es wirklich wollte, könnte ebenso gut in die Politik gehen und dort mitmischen...
Es mangelt sicherlich nicht an Möglichkeiten.


[Editiert am 18/4/2010 um 16:08 von Serafia_Serafin]

Eliphas Leary - 18/4/2010 um 18:56

:D ← In's Grinsen klicken & zuhören... ;)

Serafia_Serafin - 18/4/2010 um 19:45

Aber sowas von Faust aufs Auge. *grinst*

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